Kapitel 1
Wie alles begann
Mein grösster Lehrer war mein Grossvater. „Dieses Land ist verloren. Denk nicht einmal daran, hierzubleiben!“, hämmerte er mir ein. Seine Worte sind wohl in meiner DNA geschrieben. Und gleichzeitig meldet sich ein vorwurfsvolles Stimmchen: „Und was ist mit Oma? Und mit Mama? Sie haben dich doch mit so viel Liebe umsorgt …“
Und es hat recht. Meine Kindheit war schön und sicher. Ich fühlte mich umsorgt, und dieses Gefühl ist mir bis heute geblieben. Die Fähigkeit, für andere zu sorgen, ist ein wesentlicher Teil von mir.
Ich wurde in der ehemaligen Tschechoslowakei geboren, auf dem Höhepunkt des Kommunismus. Freiheit? Ha. Darüber konnte man damals nur schmunzeln. Mit zwölf stand ich auf dem Wenzelsplatz in Prag, unter der Statue des heiligen Wenzel auf seinem Pferd, und klimperte während der Samtenen Revolution mit der Menge mit einem Schlüsselbund. Das war ein starker Moment für mich.
Kapitel 2
Wo es zu bröckeln begann
Schnitt. Ich bin neunzehn, sitze in einem gelben Taxi und sehe zum ersten Mal die Lichter von New York. Mir stockte der Atem. Zum ersten Mal war ich mir seiner wirklich bewusst.
Und zum ersten Mal war ich ganz allein. Alles, was ich hatte, war eine Telefonkarte mit dreissig Dollar und ein Au-pair-Leben, das viel weniger glamourös war als erwartet. Ins kalte Wasser geworfen zu werden, hat mich Selbstständigkeit und Widerstandskraft gelehrt.
In den folgenden Jahren übernahm ich alle möglichen Rollen. Von der Assistentin bis zur Immobilienmaklerin. Ich studierte. So viel Energie, so viel Antrieb. Aber eine Frage nagte an mir: Wer bin ich eigentlich?
Kapitel 3
Dieser Teil ist wichtig
Kindheitsträume. Erinnerst du dich an deine? Ich wollte Kindern helfen. Ich sah es so klar vor mir. Ganz in Weiss, fast wie ein Engel, gehe ich einen Spitalgang entlang und verteile ein Lächeln, das Schmerzen lindert und heilt.
Zum Glück holte mich meine Mama aus meinem Tagtraum: „Aber könntest du es ertragen, Kinder leiden zu sehen?“ Ich konnte es nicht. Also studierte ich Vorschulpädagogik. Und am Ende hat sich der Kreis trotzdem geschlossen. Heute helfe ich Menschen – kleinen und grossen. Auf meine Art. Nach meinen eigenen Regeln, nicht nach Systemen, die nicht zu mir passen.
Kapitel 4
Als sich mein Atem meldete
Manchmal braucht es jemanden, der uns aufweckt – sanft, aber bestimmt. „Du kannst nicht atmen, Petra“, sagte mir die Akupunkteurin trocken, als sie mir nach der Geburt Nadeln in den schmerzenden Rücken setzte. Wie bitte? Ich lebe. Also muss ich doch atmen. Oder … gibt es einen besseren Weg? Da wurde der erste Samen gesetzt: Wie um Himmels willen funktioniert Atmen eigentlich?
Kapitel 5
Mein erstes Breathwork
Im Rückblick ergibt alles Sinn. Was früher unsichtbar war, ist plötzlich klar. Faszinierend. Warum die Natur ein Teil von mir ist. Ihre Elemente. Weil ich die Lagerfeuer in Opas Garten liebte. Tiere aller Art. Immer wieder zurück zu meinen Wurzeln.
Und schliesslich fand ich ein Zuhause in der Schweiz. An einem See. Meine erste Breathwork-Erfahrung? Ein etwas seltsamer Typ. Gross, dünn, kahl, aber mit langem Bart und einer merkwürdigen Energie. Er sagte mir, ich solle mich hinlegen. Und atmen. Der Raum war völlig still. Er sass einfach neben mir. Es war wirklich seltsam. Etwas langweilig. Ich gebe zu, ich wollte, dass es vorbei ist. Und doch … es muss mir etwas gegeben haben. Etwas Gutes. Denn ich ging immer wieder zu ihm. Zwei Jahre lang.
Kapitel 6
Wo etwas in mir zerbrach
Schnitt. Ich liege auf dem Boden und weine. Ich kann einfach nicht mehr. Meine Ehe hat mich zerstört. Ich war mehr Assistentin der Geschäftsleitung als Partnerin. Und genau so wurde ich auch behandelt. Bis es keinen Rückzugsort mehr gab. Trotzdem empfinde ich keine Bitterkeit und keinen Groll. Nur Ruhe.
Sogar ein wenig Dankbarkeit. Diese Beziehung hat mir geholfen, Dinge abzuschliessen und zu heilen, von denen der andere keine Ahnung hatte. Ich suchte meinen Platz. Frauenkreise, schamanische Praktiken, Kinesiologie. Breathwork. Damals sah ich es nicht, aber der Atem war die ganze Zeit bei mir. Wie ein kaum sichtbarer goldener Faden. Der Atem kam nicht als Berufswahl zu mir. Er kam als Rettungsanker.
„Der Atem kam nicht als Berufswahl zu mir. Er kam als Rettungsanker.“
Kapitel 7
Als ich verstand, dass der Atem mein Weg ist
Covid. Eine Zeit, die jede und jeden von uns getroffen hat. Ich wollte nur eines – nach Guatemala. Also meldete ich mich bei einer Frau aus England, die solche Reisen organisierte. Doch wegen der Einschränkungen sass sie auf Bali fest und gab dort Breathwork-Kurse online. Also machte ich mit. Und dann wieder und wieder.
Der Wendepunkt kam während einer Breathwork-Session in meinem geliebten Zürich. Ein kraftvolles, fast … orgastisches Erlebnis. Und plötzlich war alles klar. Zwei Wochen später begann ich die Ausbildung in Conscious Connected Breath bei Alchemy of Breath. 400 Stunden Ausbildung, mit einer Abschlussprüfung in der Toskana. Tiefe Arbeit. Eine tiefe Erfahrung.